Eine kurze Geschichte unserer Heimatstadt

Villach ist mit rund 60.000 Einwohnern eine „mittelgroße“ Stadt, deren Geschichte jedoch ziemlich außergewöhnlich ist.

Der Villacher Raum ist seit der Jungsteinzeit kontinuierlich besiedelt. Schon in keltisch-römischer Zeit gab es einen Straßen- und Brückenort, dessen Name Santicum auf die Thermalquellen verweist, die schon von Kelten und Römern genutzt wurden.
Für das Ende des römischen Imperiums und die Völkerwanderungszeit gibt es fast keine „Zeugnisse“. Erst 878 (älteste Kärntner Originalurkunde) tauchen der Ort und seine Brücke unter seinem heutigen Namen wieder auf: „ad pontem uillah“.
100 Jahre später verleiht Kaiser Otto II den Königshof Villach an den Bischof von Brixen als Lehen.
1007 gründet Kaiser Heinrich II das Bistum Bamberg und belehnt es mit dem strategisch wichtigen Villach (der Bischof von Bamberg bleibt weltlicher Herr der Stadt bis 1759!).
1060 verleiht Kaiser Heinrich IV dem Ort die Marktprivilegien, wodurch der Aufstieg zur mittelalterlichen Stadt grundgelegt ist. 1225 verleiht Kaiser Friedrich II der Stadt das Recht, um den Jakobstag (25.Juli) den ältesten Jahrmarkt abzuhalten. Das war so eine Art Vorläufer des Villacher Kirchtags und dauerte 4 Wochen.
Eine Urkunde von 1240 trägt das älteste Stadtsiegel Österreichs (Adlerklaue).
Der Herzog von Kärnten versuchte mehrere Male Villach in seinen Besitz zu bekommen. Da er scheitert und Villach weiter nicht zu Kärnten gehört, kann es nicht Landeshauptstadt werden.

1348 wird Villach durch ein gewaltiges Erdbeben zerstört. Aber schon einige Jahrzehnte später ist Villach wieder wirtschaftliches und kulturelles Zentrum. Spätgotik, Renaissance, Humanismus und Reformation bilden das „goldene Zeitalter“ der Stadt, in der bedeutende ersönlichkeiten zumindest zeitweise lebten und wirkten (Paracelsus, Vadianus, Karl V.,...)
1526 ist Villach die 1. protestantische Stadt Österreichs. In der gewaltsamen Gegenreformation um 1600 wird die Stadt wieder katholisch. Die reichen protestantischen Bürger werden zur Auswanderung gezwungen, was schließlich den Niedergang der Stadt bewirkt.

1759 kauft Maria Theresia die Stadt und die übrigen bambergischen Besitzungen: Villach wird „österreichisch“.
In der Franzosenkriegen 1809 wird Villach als Kreisstadt der „illyrischen Provinzen“ ein Teil Frankreichs. Bei der Rückeroberung 1813 wird die Stadt wieder teilweise zerstört.

1864 erreicht die Eisenbahn Villach, das sich in der Folge zum wichtigsten Verkehrsknotenpunkt der Ostalpen entwickelt. Die verkehrspolitisch bedeutsame Lage hat Villach im Laufe seiner Geschichte aber nicht nur Vorteile gebracht. 1944/45 wird Villach die am zweitstärksten bombenzerstörte Stadt Österreichs (nach Wiener Neustadt).

Heute hat die Stadt an der Dreiländerecke eine zentrale Bedeutung in vielen Bereichen: Verkehr, Tourismus, Bildung und Ausbildung, Forschung und Industrie (besonders Informationstechnologie), Kultur und Sport und nicht zuletzt als Hort südlicher Lebensfreude.

Mag. Wilhelm Aichernig